Kalamitätsholz: Fichten länger nutzbar

Mehrjährige Stehendlagerung ohne nachweisbaren Festigkeitsverlust. Arbeitssicherheit setzt Grenzen

Kalamitätsholz Hält. Forschende des Fraunhofer WKI führten mit Brettsperrholz aus Fichtenschadholz 4-Punkt-Biegeprüfungen für den Rollschubnachweis durch. Bild: Fraunhofer WKI

Wie sich Fichtenkalamitätsholz stofflich nutzen lässt, wurde im Forschungsvorhaben NUKAFI untersucht: Die Ergebnisse zeigen: Selbst nach mehrjähriger Stehendlagerung waren bei untersuchten Holzproben keine Festigkeitsverluste nachweisbar. Auf Grundlage der Forschungsergebnisse wurde ein neuer Leitfaden mit konkreten Handlungsempfehlungen für Waldbesitzende, Forstwirtschaft und holzverarbeitende Betriebe erstellt.

Die Extremwetterereignisse und Borkenkäferkalamitäten ab 2018 ließen massenhaft Fichten absterben. Waldbesitzende konnten das anfallende Kalamitätsholz oftmals nicht schnell genug aufarbeiten oder vermarkten. Daher prägten Dürrständer die Wälder vieler Regionen. Doch lässt sich deren Holz noch stofflich nutzen? Reicht seine Qualität auch nach längerer Standzeit noch für den Einsatz in langlebigen Holzprodukten?

Dieser Frage gingen im Waldklimafonds-Verbundvorhaben NUKAFI Forschungseinrichtungen und Praxispartner aus Forst- und Holzwirtschaft nach: das Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI, das Institut für Holztechnologie Dresden, der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband, der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, die Georg-August-Universität Göttingen sowie Partner aus der Sägeindustrie.

Standdauer allein entscheidet nicht über die Holzqualität

Die Projektpartner untersuchten, wie sich die Dauer der Stehendlagerung auf die Festigkeit und Verarbeitbarkeit des Fichtenholzes auswirkt und wie seine Eignung für geklebte Holzprodukte und -werkstoffe ist.

Ein zentrales Ergebnis: Anhand fehlerfreier Proben – also Holzproben ohne festigkeitsbeeinflussende Merkmale wie Äste, Risse oder sonstige Holzfehler – zeigte eine Stehendlagerung selbst nach vier Jahren keinen negativen Einfluss auf die Festigkeitseigenschaften. Damit ist also die Dauer der Stehendlagerung allein kein Kriterium, um Fichten-Dürrständer von einer hochwertigen stofflichen Nutzung auszuschließen. Entscheidend sind vielmehr der tatsächliche Zustand des Holzes und Qualitätsveränderungen im Zuge von Fäule, Rissen oder einem Insektenbefall.

Dürrständer grundsätzlich für alle Holzprodukte geeignet

Bei Einhaltung der üblichen Sortier- und Verklebungsvorschriften kann Kalamitätsholz grundsätzlich auch für geklebte Vollholzprodukte wie Brettschicht- und Brettsperrholz eingesetzt werden. Mit zunehmender Stehendlagerungsdauer steigt jedoch das Auftreten von Verfärbungen, Rissen und Fäule, was die Ausbeute senkt.

Auch für Holzwerkstoffe können Dürrständer verwendet werden: unter Einhaltung der jeweiligen normativen Anforderungen konnten im Projekt OSB-, Span- und Faserplatten sowie Dämmstoffe aus bis zu vier Jahre stehend gelagertem Kalamitätsholz hergestellt werden. Damit bietet die Stehendlagerung für die Forstwirtschaft eine zusätzliche Möglichkeit – in Zeiten eines Überangebotes auf dem Rundholzmarkt – die Ernte und Vermarktung von Fichtenkalamitätsholz zu entzerren.

Weiterlesen unter: https://www.fnr.de/presse/pressemitteilungen/aktuelle-mitteilungen/aktuelle-nachricht/kalamitaetsholz-fichten-laenger-nutzbar

Verantwortlich für den Inhalt:

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR)
OT Gülzow
Hofplatz 1
18276 Gülzow-Prüzen
Telefon +49 3843 6930-0
E-Mail: info@fnr.de
Internet: www.fnr.de