Unser Wald: Wichtiger Klimaschützer mit Grenzen
Wirksam als Kohlenstoff-Senke oder CO2-Quelle?
Abb1: Einander als Säulen gegenübergestellt sind der jährliche Zuwachs und Einschlag in den Wäldern seit 1990. Durch die hohen Kalamitätsholzmengen in den Jahren 2018 bis 2022 ergaben sich Netto-Emissionen aus dem Wald (schwarze Bilanzlinie), die sich langsam wieder ausgleichen. // Grafik: FNR
Deutschlands Wälder speichern große Mengen Kohlenstoff – doch Dürre, Sturm und Borkenkäfer verändern ihre Klimabilanz. Entscheidend sind stabile Mischwälder, gesunde Böden und eine kluge Holznutzung.
Der Wald gilt als wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel. Bäume nehmen Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf, speichern den Kohlenstoff im Holz und setzen Sauerstoff frei. Seit den Dürre- und Borkenkäferjahren 2018 bis 2020 wird jedoch diskutiert, ob der deutsche Wald zur CO₂-Quelle geworden ist.
Diese Aussage beschreibt keine biologische Umkehr: Lebende Bäume speichern immer Kohlenstoff. Gemeint ist vielmehr die Bilanz. Übersteigen Kohlenstoffverluste durch Holzentnahme, Absterben und Zersetzung den jährlichen Zuwachs, weist der Wald rechnerisch Netto-Emissionen auf.
Speicher und Senke sind nicht dasselbe
Für die Klimaschutzdebatte ist die Unterscheidung zwischen Kohlenstoffspeicher und Kohlenstoffsenke entscheidend. Der Speicher umfasst den gesamten Kohlenstoff in Bäumen, Totholz, Humus, Waldböden und Holzprodukten. Die Senkenleistung beschreibt dagegen nur den innerhalb eines Zeitraums zusätzlich aufgenommenen Kohlenstoff.
Alte Wälder besitzen große Kohlenstoffvorräte, nehmen aber meist weniger zusätzlichen Kohlenstoff auf. Junge Wälder wachsen schneller und weisen deshalb häufig eine höhere Senkenleistung auf. (siehe Abb. 2) Gleichzeitig machen Klimawandel, Trockenheit, Stürme und Schadinsekten die gespeicherten Vorräte anfälliger. Das spricht nicht gegen alte Wälder – sie sind unverzichtbar für Biodiversität, Wasserhaushalt, Bodenschutz und Erholung. Es zeigt jedoch, dass Klimaschutzstrategien, die ausschließlich auf Vorratsaufbau oder Nutzungsverzicht setzen, zu kurz greifen...
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