Hier möchten wir den engagierten Waldbesitzern in Sachsen ein Gesicht geben – als Anerkennung für ihren Beitrag zum Erhalt und zur Pflege unserer Wälder.
Claudia Wünsch,
Geschäftsführende Försterin der FBG Großenhainer Land w.V., Assessorin des Forstdienstes
„Nur wer sät kann auch ernten“
Claudia Wünsch ist Assessorin des Forstdienstes und seit vielen Jahren in der Forstverwaltung und -dienstleistung tätig. Als geschäftsführende Försterin der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Großenhainer Land w.V. bringt sie nicht nur Ihren Master im Studiengang Forstwissenschaften der TU Dresden mit, sondern auch langjährige Praxiserfahrung und ein tiefes persönliches Engagement für den Wald. Seit 2013 hat sie in verschiedenen Positionen gearbeitet, bevor sie sich entschied, selbst Waldbesitzerin zu werden. Heute engagiert sie sich leidenschaftlich für den Kleinprivatwald in ihrer Region.
Für Claudia Wünsch ist der Wald weit mehr als eine berufliche Aufgabe: Er ist ihr persönlicher Wohlfühlort, ein Raum zum Lernen, Gestalten und zur täglichen Arbeit. Sie betrachtet den Wald als integralen Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Ein von Menschen geprägter Lebensraum, der gleichzeitig als Wasserspeicher, Sauerstofflieferant und Klimapuffer eine unverzichtbare Rolle für unsere Gesundheit spielt. Besonders gern besucht sie ihren eigenen Wald, in dem sie mit eigenen Händen Bäume gepflanzt hat. Ein Ort, der für sie Heimat und Verantwortung zugleich bedeutet.
Waldbesitzerin wurde Claudia Wünsch durch den Kauf von Waldflächen im eigenen Dorf. Schnell erkannte sie, wie wenig Strukturen es für Waldbesitzende im nordsächsischen Raum gab und gründete 2021 gemeinsam mit anderen die FBG Großenhainer Land w.V.. Mit viel Einsatz, Ideenreichtum und Glück gelang es ihr, Fördermittel und Preise einzuwerben. Heute ist die FBG ein starker Partner für kleine Waldbesitzende und übernimmt zentrale Aufgaben: Sie koordiniert Technik- und Pflegeeinsätze, bündelt Holzmengen für den Verkauf, übernimmt das Holzaufmaß im Sinne der Eigentümer, vertritt Interessen gegenüber Behörden und bietet Fortbildungen sowie fachliche Betreuung an.
Gerade für kleine Waldbesitzende ist der Einstieg oft mit großen Fragen verbunden: Wo genau liegt mein Waldstück? Was darf oder muss ich dort tun? Wer ist überhaupt zuständig in Erbfragen? Die FBG unterstützt ihre Mitglieder bei der Entwicklung von Zielen und Nutzungskonzepten, der Einschätzung von Holzmengen, bei Fragen zur Verkehrssicherung oder der technischen Umsetzung von Pflegearbeiten. Der Klimawandel, zunehmende Waldschäden und die Dynamik auf dem Holzmarkt stellen weitere Herausforderungen dar, denen man als Gemeinschaft besser begegnet als allein.
Innerhalb der FBG beschreibt Claudia Wünsch den Umgang unter den Mitgliedern als unterstützend, offen und ratsuchend. Der Austausch von Erfahrungen, Wissen und auch Sorgen ist ein tragendes Element der Gemeinschaft. Die FBG lebt von diesem Miteinander und ermöglicht es auch Waldbesitzenden ohne forstlichen Hintergrund, ihre Wälder nachhaltig zu bewirtschaften.
Claudia Wünsch ist überzeugt davon, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung nicht nur ökologisch, sondern auch gesellschaftlich notwendig ist: „Rohstoff Holz ist wertvoll und darf nicht im Wald verfaulen.“ Eine vorausschauende Planung, regelmäßige Verjüngung und Pflege seien Voraussetzungen dafür, dass der Wald auch für kommende Generationen seine Leistungen erfüllen kann - als Rohstoffquelle, Lebensraum, Wasserspeicher und Luftfilter. Nur wer heute Verantwortung übernimmt, sorgt dafür, dass der Wald auch morgen noch gesund und nutzbar ist.
Herr Hering
Oliver Hering ist seit 2016 Revierförster im Neuseenland südlich von Leipzig. Seine enge Verbindung zum Wald reicht bis in die dritte Generation zurück: Bereits sein Großvater studierte Forstwirtschaft, der Vater arbeitete als Waldarbeiter. Schon früh verbrachte er viel Zeit im Wald – eine Grundlage für seine heutige Tätigkeit.
Der Gemeindewald in der urban geprägten Region erfüllt viele Funktionen: Er dient der Holzproduktion ebenso wie dem Naturschutz und ist ein wichtiger Erholungsraum für die Bevölkerung. Gerade in Stadtnähe spielen Spaziergänge, Radfahren und Naturerleben eine zentrale Rolle. Kommunale Wälder haben dabei eine besondere Vorbildfunktion, auch wenn sie rechtlich den gleichen Vorgaben wie andere Waldbesitzarten unterliegen.
Oliver Hering betreut rund 800 Hektar Kommunalwald und berät zusätzlich private Waldbesitzer. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt im Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern. Nach den Trockenjahren ab 2018 mussten zahlreiche Flächen neu aufgeforstet werden, häufig mit mehreren Baumarten, um die Widerstandsfähigkeit der Bestände zu erhöhen.
Neben der Pflanzung spielt die Pflege junger Waldbestände eine wichtige Rolle. Diese Arbeiten sind für Besucher kaum sichtbar, aber entscheidend für das Anwachsen und die langfristige Entwicklung des Waldes.
Für die Zukunft wünscht sich Oliver Hering stabile und gesunde Wälder, ein stärkeres Bewusstsein der Menschen für den Wert dieses frei zugänglichen Naturraums und mehr Engagement für den Gemeindewald.